Dekubitus

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Was ist Dekubitus? Definition:

Ein Dekubitus ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und / oder des darunter liegenden Gewebes, in der Regel über knöchernen Vorsprüngen infolge von Druck oder von Druck in Kombination mit Scherkräften.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, welche tatsächlich oder mutmaßlich mit Dekubitus assoziiert sind; deren Bedeutung ist aber noch zu klären.(vgl. EPUAP/NPUAP/PPPIA 2014)

Auch oft gesucht: Dekubitus, Druckgeschwür, Dekubitalulkus



Entstehung

Was ist Dekubitus?



Druckwirkung

Die Druckwirkung ist abhängig von der Größe der Fläche, auf die der Druck einwirkt, und der Zeit, in der der Druck auf das Gewebe wirken kann.

Je kleiner die Fläche, auf die der Druck einwirkt, desto mehr Druckeinwirkung (höherer Druck) entsteht und umso kürzer ist die Zeitdauer. Dadurch besteht ein hohes Risiko einer Gewebeschädigung.

Je größer die Fläche, desto geringer die Druckeinwirkung, da sich der Druck über auf eine größere Fläche verteilt, und umso länger hält das Gewebe dem Druck stand. Dies ist das Prinzip der Druckverteilung, welches man im Bereich der Dekubitusprophylaxe einsetzt, z. B. durch Weichlagerungsmatratzen, Wechseldrucksysteme usw.

Scherkräfte

Scherkräfte sind parallel zueinander in entgegengesetzte Richtungen wirkende Kräfte, innerhalb der verformten Gewebe, z. B. Verschiebungen innerhalb der Muskulatur oder Hautschichten.

Die auf das Gewebe einwirkenden Scherkräften führen eher zu tieferen Gewebeschädigungen.

Besonders stark ausgeprägt am Sakrum und an den Fersen beim Hoch- oder Runterrutschen im Bett. Das elektrischen Verstellen des Kopfteiles zum Aufsitzen, führt zu einem extremen Anstieg von Scherkräften innerhalb des Gewebes.

Prädilektionsstellen

Prädilektionsstellen sind Körperregionen, an denen bevorzugt Dekubitalulzera entstehen, da hier knöcherne Vorsprünge zu finden sind.

Zu den gefährdetsten Stellen gehören:

In Rückenlage

  • Hinterhaupt
  • Schulterblätter
  • Dornfortsätze der Wirbelsäule
  • Kreuzbein (Sakrum)
  • Fersen

In Bauchlage

  • Stirn
  • Jochbein
  • Schultergelenke
  • Brustbein
  • Ellenbogen
  • Darmbeinstachel
  • Kniescheibe
  • Fußspitze

In 90° Seitenlage

  • Jochbein
  • Ohrmuschel
  • Schultergelenke
  • Rippen
  • Ellenbogen
  • großer Rollhügel (Trochanter)
  • Kniegelenk
  • Wadenbein
  • Knöchel

Im Sitzen

  • Hinterhaupt
  • Schulterblatt
  • Dornfortsätze
  • Ellenbogen
  • Sitzbeinhöcker
  • Fersen

Dekubitusrisiko

Folgende 3 Patientenmerkmale stellen die wichtigsten Faktoren für das Dekubitusrisiko dar:

  • Beeinträchtigung der Mobilität
  • Störungen der Durchblutung
  • Sowie beeinträchtigter Hautzustand bzw. bereits vorhandener Dekubitus

Besteht insbesondere eine Einschränkung der Mobilität, so steigt im gleichen Maße das Dekubitusrisiko. Je immobiler ein Betroffener ist und je abhängiger er von pflegerischen/therapeutischen Maßnahmen ist, desto höher das Dekubitusrisiko.

Risikoeinschätzung

Eine Risikoeinschätzung sollte initial unmittelbar zu Beginn des pflegerischen Auftrags. Danach erfolgt eine Einschätzung in individuell zu ermittelnden Abständen, jedoch unverzüglich bei Veränderungen der Mobilität oder externer Einflussfaktoren, die zu einer erhöhten und/oder verlängerten Einwirkung von Druck und/oder Scherkräften führen können.

Klassifikation EPUAP/NPUAP (2014)

Kategorie 1

Umschriebenes nicht-wegdrückbares Erythem.

Kategorie 2

Teilzerstörung der Haut (bis zur Dermis), oberflächlich, stellt sich klinisch als Abschürfung oder flaches Ulkus ohne nekrotisches Gewebe oder als Hämatom dar.

Kategorie 3

Zerstörung aller Hautschichten. Schaden und mitunter auch Nekrosenbildung des Unterhautfettgewebes. Das Geschwür erstreckt sich bis zur darunter liegenden Faszie. Es stellt einen tiefen Krater mit (oder ohne) Unterminierung des angrenzenden Gewebes dar.

Dekubitus der Kategorie/Stufe/Grad III können sich je nach anatomischer Lokalisation (z. B. Nasenrücken, Ohr, Hinterkopf) sehr oberflächlich darstellen, da hier kein subkutanes Gewebe vorhanden ist.

Kategorie 4

Ausgedehnte Zerstörung, totaler Gewebsverlust, Gewebenekrose und Schaden an Muskel, Knochen und anderen unterstützenden Strukturen (Sehnen, Gelenkkapseln). Der Gewebeschaden stellt klinisch al ein tiefer Krater mit sichtbaren Knochen, Sehnen oder Gelenkkapseln dar. Unterminierungen und Wundtaschenbildungen kommen in diesem Stadium oft vor.

Dekubitus an anatomischen Stellen ohne Subkutangewebe (z. B. Nasenrücken, Ohr, Hinterkopf, Knochenvorsprung am Fußknöchel), können dort auch sehr oberflächlich sein.

Uneinstufbar/nicht klassifizierbar

Vollständiger Haut- oder Gewebeverlust, bei der die tatsächliche Tiefe der Wunde von Belag (gelb, dunkelgelb/hautfarben, grau, grün oder braun) und Wundkruste/Schorf (hautfarben, braun oder schwarz) im Wundbett verdeckt ist. Ohne ausreichend Belag oder Wundkruste/Schorf zu entfernen, um an den Wundgrund zu gelangen, kann die wirkliche Tiefe nicht festgestellt werden.

Es handelt sich entweder um einen Dekubitus Kategorie 3 oder Kategorie 4.

Vermutete tiefe Gewebeschädigung

Violetter oder rötlichbrauner, umschriebener Bereich verfärbter, intakter Haut oder blutgefüllter Blase durch Schädigung des darunterliegenden Weichgewebes durch Druck und/oder Scherkräfte. Vorausgehen kann eine Schmerzhaftigkeit des Gewebes, das von derber, breiiger oder matschiger Konsistenz sein kann und wärmer oder kälter als das angrenzende Gewebe ist. Vermutete tiefe Gewebeschädigungen sind bei dunkelhäutigen Menschen schwer zu erkennen.

Es kann zu einer dünnen Blase über einem schwarzen Wundbett kommen. Wunde kann sich weiter entwickeln und mit Wundschorf bedeckt sein.

Rasanter Verlauf unter Freilegung weiterer Gewebeschichten trotz optimaler Behandlung möglich.

Wichtig

Die Stadieneinteilung ist nur dazu geeignet, die maximale Gewebsschädigung zu beschreiben.

Dies bedeutet: Ein Dekubitus Kategorie 4 bildet sich nicht in einen Dekubitus Kategorie 3, Kategorie 2 oder Kategorie 1 zurück.

Eine Umkehrung der Gradeinteilung sollte niemals zur Beschreibung der Heilung eines Dekubitus verwendet werden, da in diesem Fall eine neue Wunddiagnose gestellt wird.

Komplikationen

Grundsätzlich ist der Dekubitus selbst eine Komplikation eines multifaktoriellen Geschehens.

Der entstandene Dekubitus selbst, kann Auslöser für Komplikationen sein. Diese sind:

  • Wundinfektion, Sepsis (insbesondere bei vorhandener Taschenbildung als Auslöser einer Wundinfektion)
  • Abszessbildung, z. B. unter einer geschlossenen Nekrose
  • Taschenbildung/Unterminierungen
  • Osteomyelitis, Osteolyse, Knochennekrosen
  • Weiterführende Gewebeschäden

Differentialdiagnose

Feuchtigkeitsbedingte Läsionen

Feuchtigkeitsbedingte Läsionen wird auch Feuchtigkeitswunde oder Feuchtigkeitsläsion genannt. Bei feuchtigkeitsbedingten Läsionen handelt es sich um Wunden, die aufgrund von zu viel Feuchtigkeit entstehen und nicht durch Druck und/oder Scherkräfte. Viele dieser feuchtigkeitsbedingten Hautschädigungen werden als Dekubitus fehlinterpretiert. Wunden, die sich auf die Analrinne begrenzen und eine längliche Form haben, sind in der Regel feuchtigkeitsbedingte Läsionen und kein Dekubitus.(vgl. puclas 2011)

Feuchtigkeitswunden sind meist oberflächlicher und somit handelt es sich um einen teilweisen Hautverlust. Es lassen sich bei feuchtigkeitsgedingten Läsionen in der Regel keine Läsionen finden. Sie zeigen oft unregelmäßige oder diffuse Wundränder. Wenn sich Feuchtigkeitsläsionen infizieren, können sich Umfang und Tiefe vergrößern und sie bleiben nicht mehr auf oberflächliche Hautschichten begrenzt. Durch das feuchte Milieu und die gestörte Hautbarriere, werden diese Wunden häufig von Pilzen besiedelt.

Liegen Feuchtigkeit und/oder Druck gleichzeitig vor, kann es sich bei der Läsion sowohl um einen Dekubitus als auch eine feuchtigkeitsbedinge Läsion handeln, also eine kombinierte (gemischte) Läsion.

Literatur

  • Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) (Hrsg.) (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege, 2. Aktualisierung, Hochschule Osnabrück
  • Danzer, S./Kamphausen, U. (2016): Dekubitus - Prophylaxe und Therapie: Ein Leitfaden für die Pflegepraxis, W. Kohlhammer Verlag
  • European Pressure Ulcer Advisery Panel (EPUAP) (2014): Prävention und Behandlung von Dekubitus: Kurzfassung der Leitlinie. 1. Aktualisierung, EPUAP/NPUAP/PPPI
  • Romanelli, M. / Clark, M. / Gefen, A. (Hrsg.) (2018): Science and Practice of Pressure Ulcer Management. 2. Auflage, Springer Verlag