Inkontinenzassoziierte Dermatitis

Aus piixemto Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Was ist Inkontinenzassoziierte Dermatitis? Definition:

Bei dieser Hautschädigung handelt es sich um eine Entzündung der perinealen oder perigenetalen Haut. (Gray et al. 2007)

Die Inkontinenzassoziierte Dermatitis (IAD) ist eine klinische Manifestation eines feuchtigkeitsassoziierten Hautschadens in Verbindung mit einer Inkontinenz (Urin- und/oder Stuhlinkontinenz).

Auch oft gesucht: Inkontinenzassoziierte Dermatitis



Definition

Bei dieser Hautschädigung handelt es sich um eine Entzündung der perinealen oder perigenetalen Haut. (Gray et al. 2007)

Die Inkontinenzassoziierte Dermatitis (IAD) ist eine klinische Manifestation eines feuchtigkeitsassoziierten Hautschadens in Verbindung mit einer Inkontinenz (Urin- und/oder Stuhlinkontinenz).

Risikofaktoren

Folgende Risikofaktoren tragen zur Entstehung einer IAD bei:

  • Chronische Belastung mit Feuchtigkeit
  • Inadäquate Oxygenierung der Haut
  • Fieber
  • Alkalischer pH-Wert
  • Okklusive Inkontinenzversorgungen
  • Keimwachstum
  • Eingeschränkte Mobilität
  • Reibung
  • Alter

Symptome

Allgemein

  • Entzündliche Reaktionen im Bereich des aufsaugenden Inkontinenzproduktes (z.B. „Windelhose“, anatomische Vorlage)
  • Gerötete, nasse, schuppige Erosionen
  • Häufig glänzende Oberfläche
  • Bläschen und Pusteln
  • Juckreiz
  • Schmerzende offene Hautstellen

IAD mit Candida-Infektion:

  • Scharf abgegrenzte, feuchtglänzende Hautrötungen in der Gesäßfalte und im Genitalbereich
  • Schuppensaum an den Übergangszonen zur gesunden Haut
  • Streuung der stecknadelkopfgrosse Knötchen oder Pusteln im Randbereich (Satellitenpapeln)

IAD mit einer bakteriellen Infektion:

  • Nässende Hautrötungen
  • Pusteln und Blasen
  • Bei schwerem Verlauf: offene, blutende Hautstellen

Therapie

Therapiehinweis

  • Nach Möglichkeit werden zur Behandlung der IAD äußerlich anwendbare Arzneimittel eingesetzt.
  • Bei akuter IAD sind hydrophile Pasten besonders gut geeignet, da sie Feuchtigkeit aufnehmen können.
  • Systemische antimykotische Therapie nur bei schwerem Verlauf einer Windeldermatitis / IAD in Kombination mit Mundsoor oder bei Befall des Gastrointestinaltrakts .
  • Hartnäckige bakterielle Infektionen müssen allenfalls systemisch behandelt werden.
  • Topische Antibiotika wegen der drohenden Resistenzentwicklung nur sehr zurückhaltend einsetzen.

Medikamentöse Therapie

Antibiotika

  • Je nach Erreger der bakteriellen Sekundärinfektion.
  • Bei einer Staphylococcus aureus-Infektion: Fusidinsäure, orale Cephalosporine oder Beta-Lactamase-resistente Penicilline.

Entzündungshemmer

Milde topische Glukokorticoide
  • Hydrocortison (z.B. Fenistil Hydrocort®, Hydrocortison HEXAL®, Hydrocutan®)
  • Flumetason (z.B. Cerson®, Locacorten®)
    • Zur Unterbrechung der Entzündungsreaktion
    • Hemmung des Juckreizes

Antiinfektiva / Antiseptika:

  • Octenidin
  • Chlorhexidin (z.B. Chlorhexamed®, Corsodyl Eurim®) à Mundantiseptika
  • Clioquinol (z.B. Linola Sept®)
  • Eosin

Alternative Therapiemöglichkeiten

  • Stiefmütterchenextrakt.
  • Kamillenextrakt wirkt desinfizierend und entzündungshemmend, austrocknend.
  • Gerbstoffe (Tannine); Umschläge/Bad z.B. mit Schwarztee: wirkt desinfizierend, gerbend, austrocknend.
  • Eichenrinden-Badezusatz: wirkt entzündungshemmend, gerbend.

Zusätzliches

  • Anpassung der Inkontinenzversorgung: z. B. Umversorgung mit Inkontinenzprodukten mit mehr Aufnahmevolumen, häufigerer Wechsel, Kondomurinale, Analtampon

Hautpflege und -therapie

  • Milde Hautwaschemulsionen verwenden: wirkt antibakteriell, antimykotisch und talgreduzierend (antiseborrhoisch).
  • Dexpanthenol zur Regeneration der Haut; nach Abklingen der akuten Symptome.
  • Reinigung mit klarem Wasser (nur bei grober Verschmutzung wenig Syndets zugeben).
  • Haut trockentupfen, nicht reiben oder rubbeln.
  • Haut in den Leisten trocken halten.
    • Verwendung von gemischtporigen Schaumstoffen (z.B. Ligasano®)
    • Cave: Eingelegte Mullkompressen halten Feuchtigkeit!
  • Nach Möglichkeit „trockenlegen“ der Haut.
  • Bei Superinfektion: Antibakterielle Pasten oder ggf. systemische Antibiotika.
  • Bei Pilzbefall: Antimykotische Pasten
    • 2 – 3 Mal tgl. auftragen
    • Pastenreste nicht mit Ölen entfernen! à Ölschicht verhindert Wirkstoffkontakt mit der Haut + Fett = Nährboden für Keime.
    • Anwendung 4 – 6 Wochen nach Abheilung.
  • 3M™ Cavilon™ Advanced
    • Zur Therapie von IAD

Prophylaxe

  • Verwendung von transparenten Hautschutzfilmen oder Barrierecremes