Interstitielle Zystitis (Blasenentzündung)

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Was ist Interstitielle Zystitis? Definition:

Die Interstitielle Zystitis ist eine chronische Harnblasenentzündung ohne Krankheitserreger (nichtinfektiös) mit Blasen- und Beckenbodenschmerzen mit häufigem Wasserlassen am Tag (Pollakisurie) als auch in der Nacht (Nykturie) begleitet von einem nicht zu unterdrückenden Harndrang (imperativer Harndrang). Die Symptome können in Kombination in unterschiedlichsten Ausprägungen auftreten.

Auch oft gesucht: IC, insterstitielle Cystitis, Blasenschmerzen




Die Interstitielle Zystitis ist eine spezielle Harnblasenentzündung (Zystitis (Blasenentzündung)).

Häufige unzählige Toilettengänge bis zu 60 Mal täglich sind für IC-Betroffenen keine Seltenheit. Das Harnlassen der meist weiblichen Betroffenen erfolgt tropfenweise mit Unterstützung der Bauchpresse. Patienten, die an einer chronischen interstitiellen Zystitis erkrankt sind, stehen unter einem enormen Leidensdruck. Nicht selten führt die Erkrankung zur sozialen Isolation und in die Erwerbsunfähigkeit.

Die Diagnose ist schwierig und erfolgt in der Regel nach einer langjährigen Odyssee durch die Arztpraxen.

Das Auffinden multipler stecknadelkopfgroßer Blutungen (Glomerulationen) bei der Blasendehnung (Distension) einhergehend mit eingeschränkter Harnblasenkapazität ist ein Kennzeichen der Interstitielle Zystitis (IC). Geschwürartige Verletzungen der Harnblasenwand stellen ein anderes (klassisches) Stadium dieser Erkrankung dar.

Was ist interstitielle Zystitis?



Eine weltweit einheitliche Definition der Erkrankung existiert nicht.

Verwechselbare Erkrankungen, darunter versteht man Erkrankungen, die ähnliche Symptome aufweisen können, müssen bei der Diagnose ausgeschlossen werden. Das Vorhandensein einer verwechselbaren Erkrankung oder einer bakteriellen Infektion schließt eine interstitielle Zystitis jedoch nicht aus.

IC-Patienten leiden häufig an Begleiterkrankungen wie Reizdarmsyndrom, Schmerzen in verschiedenen Körperregionen (Fibromyalgie), allgemeiner Erschöpfung, funktionellem somatischem Syndrom, neurologischen, rheumatologischen, und mentalen Erkrankungen.

Auch sind die Ursachen der IC weitgehend unbekannt und vielfältig.

Der Krankheitsprozess der IC wird vorrangig als einen initial vorliegenden Immun- und Barrieredefekt im Gewebe der Harnblase, insbesondere in der Schleimhaut vermutet. Ein Defekt der Schleimhäute verändert die Barrierefunktion und führt zu einer chronischen Entzündung, die dann alle Schichten der Harnblasenwand betreffen kann.


Symptome Interstitielle Zystitis

Quelle: IC-Patienten Versorgungsstudie 2012 bei (n=270) Patienten mit Mehrfachnennung: Jocham, D.; Fröhlich, G.; Sandig, F.; Ziegler, A.; Stratmeyer, R.; Wördehoff, A.; Mündner-Hensen, B; Hensen, J.; Tobien, K; Odenthal, G.

  • nächtliches Wasserlassen (81,85%)
  • Beckenschmerzen/Unterbauchschmerzen (81,11%)
  • Zwingender (imperativer) Harndrang (78,89%)
  • Rückenschmerzen (50,00 %)
  • Dyspareunie, sexuelle Funktionsstörung (46,67%)
  • Vulvodynie/Schmerzen a.d. äußeren Geschlechtsorganen der Frau (44,67%)
  • Erschwertes Wasserlassen (44,07%)
  • Dranginkontinenz, Blasenschwäche (27,04%)
  • Blasenschmerzen (13,33%)
  • Brennen/Schmerzen/Missempfinden Harnröhre (9,26%)
  • Schmerzen Gelenke/Extremitäten (7,41%)
  • Probleme Magendarmtrakt (4,81%)
  • generalisierte Schmerzen (2,96%)
  • Harnverhalten (1,11%)
  • Nierenschmerzen (0,74%)
  • Sonstiges (17,41%)

Epidemiologie

Grundsätzlich sind Männer und Frauen jeden Alters betroffen.

Die IC ist eine Erkrankungen, die in allen Altersstufen auch bei Kinder und Jugendlichen, auftritt. Die höchste Häufigkeitsrate (Prävalenz) ist bei Personen mittleren Alters vorzufinden. Frauen sind neun Mal häufiger betroffen als Männer. Prävalenz für weibliche Patienten 52-500/100.000 und für die männliche Patienten bei 8-41/100.000 liegt.

Je nach Fragestellung oder Definition ergeben sich unterschiedliche Ergebnisse hinsichtlich der Prävalenz. Vergleichbare Kriterien einzelner epidemiologischer Studien sind nicht vorhanden. In Deutschland ist die IC eine selten diagnostizierte Erkrankung. Die Dunkelziffer ist unbekannt.

Diagnostik

Die Dauer bis zur Diagnosestellung IC betrug laut der Teilnehmer der IC-Versorgungsstudie nach Beginn der Beschwerden im Durchschnitt 9 Jahre. In etwas ¾ aller Fälle (N=270) wurde die Diagnose im Krankenhaus gestellt, in etwa ¼ in der Praxis ein niedergelassenen Arztes. Dabei erhielten 96% ihre Diagnose von einem Urologen.

Obligatorisch:

  • Anamnese
  • Miktionstagebuch
  • Körperliche Untersuchungen
  • Urinuntersuchungen

Empfohlen:

  • Zystoskopie
  • Hydrodistensionstest

Optional:

  • ggf. Caliumchloridtest
  • ggf. Blasenwandbipopsie
  • ggf.Zystomanometrie

Differentialdiagnosen

  • urologische Erkrankungen wie chronische Harnwegsinfektion (bakteriell,parasitär), chronische Prostatitis, Urethralsyndrome oder urologische Malignome
  • Muskuloskelettale Erkrankungen wie Hernien oder Beckenbodendysfunktion
  • gastrointestinale Erkrankungen wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Dünn- oder Dickdarmstenosen oder intestinale Malignome
  • gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose/Adenomyositis, pelvine Varikose (Beckenvenensyndrom) oder zervikale Stenose
  • neurogene Ursache wie Herpes genitalis, Varicella Zoster oder Neuralgien/neuropathisches Schmerzsyndrom
  • psychische Veränderungen


Therapie

Die S2k-Leitlinien zur "Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Zystitis (IC)" setzt auf ein multimodales Therapiekonzept. Die Behandlung sollte sich aus konservativen Maßnahmen, medikamentöser Therapie, Lokal-Instillationen, Schmerztherapie und Komplementärmedizin sowie operativen Verfahren und stationären Rehabilitation zusammensetzen.

Konservative Maßnahmen
  • Veränderung des Lebensstils wie Anpassung von Kleidung und sportlicher Aktivität, Überprüfung des Stresslevels, Unterkühlung meiden
  • Ernährungsumstellung (Nahrungsmittelunverträglichkeiten mit Ausschussdiät detektieren) und Flüssigkeitszufuhr kontrollieren, Auslöser eruieren (häufig lösen Zitrusfrüchte, Tomaten, Meerrettich, Essig, Pfeffer, Glutamat und Süßstoffe den zwanghaften Harndrang aus), histaminarme Nahrung bevorzugen
  • Psychologische/psychiatrische Betreuung
  • Physiotherapie:Harnblasen- und Beckenbodentraining


Schmerztherapie


Intravesikale Therapie

Die intravesikale Therapie hat den Vorteil, hohe Medikamentenkonzentrationen direkt an der Harnblase einzubringen. Damit werden systemische Nebenwirkungen vermieden

Komplementärmedizin

Der genau Wirkmechanismus von komplementärmedizinischen Verfahren ist weitgehend unbekannt, Studienergebnisse sind schwer interpretierbar. Den Leitlinien-Experten zufolge kann bei Interstitieller Zystitis aber ein Versuch mit folgender Komplementär-Verfahren erwogen werden:

  • Akupunktur
  • Neuraltherapie
  • mikrobiologische Therapien (Probiotika wie Laktobazillen, Bifdobakterien, Escherichia coli und Enterokokken)
  • orthomolekulare Substitutionen (Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente)


Interventionelle/operative Verfahren

Bleiben alle vorherigen Therapieverfahren ohne Erfolg, ist eine Operation zu erwägen


Medikamente Interstitielle Zystitis

Können in Absprache mit dem Arzt relevant sein (Z.B. als Orale medikamentöse Therapie):

  • Medikament
  • Natrium-Pentosanpolysulfat (elmiron)
  • Antidepressiva - Tri- und tetrazyklische Antidepressiva wie Amitriptylin oder Mirtrazapin
  • Antihistamine

ICA-Deutschland e.V.

Für die Interstitielle Zystitis gibt eine spezielle Organisation: Der ICA-Deutschland e.V., Mitglied von ACHSE, EURORDIS, MICA, PAE und Deutsche Schmerzges. e.V.

Homepage: https://ica-ev.de

Quellen:

S2k-Leitlinien zur "Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Zystitis (IC/BPS)";IC-Patienten Versorgungsstudie 2012: Jocham, D.; Fröhlich, G.; Sandig, F.; Ziegler, A.; Stratmeyer, R.; Wördehoff, A.; Mündner-Hensen, B; Hensen, J.; Tobien, K; Odenthal, G.; ica-ev.de Patientenbroschüre