Physiologische Wundheilungsphasen

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Was ist Physiologische Wundheilungsphasen? Definition:

Physiologische Wundheilungsphasen sind die Phasen, die eine Wunde bis zur Abheilung durchläuft.

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Definition

Jede Wunde, die heilt, durchläuft verschiedene Phasen der Wundheilung.

Hierbei handelt es sich um 5 Phasen:

  1. Hämostase (Blutstillung)
  2. Exsudationsphase (auch Reinigungsphase, Inflammatorische Phase)
  3. Granulationsphase (auch Proliferationsphase)
  4. Epithelisierungsphase (auch Reparation)
  5. Regenerationsphase (auch Reifungsphase, Remodulierungsphase, Maturation)

Nicht immer werden alles fünf Phasen beschrieben.

Es gibt Modelle mit 3 Phasen, wobei die Hämostase und die Exsudationsphase zu einer Phase zusammengefasst werden. Ebenso die Epithelisierungsphase und die Remodulierungsphase, sodass sich folgende drei Phasen ergeben: Exsudationsphase, Granulationsphase und Remodulierungsphase.

Zudem gibt es Modelle, bei denen 4 Phasen angegeben werden: Exsudationsphase, Granulationsphase, Epithelisierungsphase und Regenerationsphase. Bei dieser Einteilung zählt die Hämostase zur Exsudationsphase.

Wundheilungsphasen

Hämostase

auch Blutstillung

Hierbei handelt es sich um eine unmittelbare Reaktion auf eine Verletzung. Der Körper versucht einen Blutverlust so gering wie möglich zu halten. Dies erreicht er, durch verschiedene Mechanismen.

  • Zusammenziehen der Kapillaren im Verletzungsgebiet.
  • Aktivierung der Gerinnungskaskade.
  • Vasokonstriktion (das Zusammenziehen größerer Gefäße), wodurch sich der Blutfluss verlangsamt.
  • Erythrozyten und Thrombozyten bilden ein Blutgerinnsel.
  • Fibrinfäden schlingen sich um den Thrombozytenpropf und bilden somit die Grundlage für einen Thrombus.
  • Der Thrombus bildet die Grundlage für die Haftung, Wanderung und Proliferation für den beginnenden Reparationsprozess.
  • Der anfänglichen Vasokonstriktion folgt eine Vasodilatation, die zu einer Hyperämisierung mit Rötung und Überwärmung der Haut führt.
  • Durch eine Zunahme der Gefäßpermeabilität kommt es zur Entstehung eines Wundödems.
  • Thrombozyten sezernieren zahlreiche Wachstumsfaktoren.

Exsudationsphase

auch Reinigungsphase, inflammatorische Phase

  • Es kommt zu einer starken Exsudation.
  • Ablaufende Entzündungsreaktion (Wichtig: Eine Entzündungsreaktion ist nicht gleichzusetzen mit einer Infektion!).
  • Es folgt eine Einwanderung verschiedener Leukozyten, wie Makrophagen, Granulozyten, später auch Monozyten und Lymphozyten.
  • Makrophagen und Granulozyten übernehmen die Keimabwehr und den Abbau von Zelltrümmern durch Phagozytose. Dadurch kommt es zu einer aktiven Wundreinigung (Autolyse).
  • Es besteht eine gesteigerte Zellaktivität
  • Abgestorbene Leukozyten setzten proteolytische (eiweißspaltende) Enzyme frei

Bei immunabwehrgeschwächten Patienten kommt es zu einer unterdrückten bzw. abgeschwächten oder verzögerten Entzündungsreaktion (Inflammation).

Granulationsphase

auch Proliferationsphase

  • Aufbau von Granulationsgewebe (gefäß-, zell- und kollagenreich) durch Fibroblasten. Es kommt zur Defektfüllung.
  • Es findet eine Neubildung von Gefäßen statt, die sog. Neoangiogenese.
  • Die Exsudation lässt nach.
  • Durch Beteiligung von Myofibroblasten kommt es zur Wundkontraktion, die dazu beiträgt, dass sich die Wundfläche verkleinert.
  • Beginnende Epithelisierung vom Wundrand aus.
  • Kollagenaufbau durch Fibroblasten ("Bauarbeiter der Wunde").
  • Makrophagen setzen kontinuierlich Wachstumsfaktoren frei. Diese sind wichtig für die Regulation und Stimulation des Gewebeaufbaus.

Epithelisierungsphase

auch Reparation

  • Die Exsudation lässt weiter nach, sodass es zur Abtrocknung des Granulationsgewebes kommt.
  • Neues Epithel bildet sich und überdeckt die Wunde vom Wundrand aus.
  • Die neugebildeten Kollagenfasern reifen aus.
  • Es entsteht ein erstes Narbengewebe.
  • Die Wundkontraktion schreitet weiter fort. (Dadurch wird das später endgültig ausgebildete Narbenareal immer deutlich kleiner sein, als die ursprüngliche Wundgröße.)
  • Migration, Proliferation und Differenzierung von Keratinozyten.

Regenerationsphase

auch Remodulierungsphase, Maturation, Reifungsphase

  • In dieser Phase bildet sich das endgültige Narbengewebe.
  • Es kommt zur Verstärkung und Reorganisation der Kollagenfasern, mit Ausbildung einer zell- und gefäßarmen Narbe (mit Verlust der Hautanhangsorgange)
  • Eine kapillare Regression findet statt, d. h. nicht mehr benötigte Kapillaren werden zurückgebildet.
  • Ausbildung der Belastungsstabilität des Gewebes.
  • Wichtig: Narbengewebe verfügt nur noch über max. 80% der ursprünglichen Belastbarkeit von intaktem Gewebe!

Dauer

Wie lange eine Wunde benötigt, um zu verheilen, hängt von der Wundgröße und -tiefe ab. Zudem ist es abhängig vom jeweiligen Zustand des Betroffenen. Bei Personen mit einem schlechten Immunstatus, laufen die benötigten, immungetriggerten Wundheilungsvorgänge abgeschwächt oder verzögert ab, wodurch sich die Abheilungszeit verlängert.

Literatur

Danzer, S. (2019): Wundbeurteilung und Wundbehandlung, 2. Auflage, W. Kohlhammer Verlag