Wundheilungsbeeinflussende Faktoren

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Was ist Wundheilungsbeeinflussende Faktoren? Definition:

Wundheilungsbeeinflussende Faktoren

Auch oft gesucht: Wundheilungsbeeinflussende Faktoren, Einflussfaktoren



Definition

Hierbei handelt es sich um Faktoren, die direkt oder indirekt einen Einfluss auf die Wundheilung ausüben.

Faktoren

Adipositas

Starkes Übergewicht führt zu unterschiedlichen Situationen, die die Wundheilung beeinflussen. Bei adipösen Patienten verschlechtert sich die Sauerstoffversorgung in allen Geweben, da die Auswurfleistung des Herzens für eine adäquate Durchblutung nicht ausreicht. Dies hat somit Auswirkungen auf die Wundheilung, da diese von einer guten Blutzufuhr abhängig ist, die Sauerstoff und Nährstoffe ins Gewebe bringt.

Postoperativ erhöht sich bei adipösen/batriatrischen Patienten das Risiko für eine Wundheilungsstörungen, z. B. in Form einer Dehiszenz oder auch durch die Entstehung von Wundinfektionen, insbesondere, wenn sich die Nähte in Hautfalten befinden oder von diesen bedeckt werden.

Allgemeinzustand

Je schlechter der Allgemeinzustand ist, desto schlechter ist auch die Wundheilung. Das liegt zum einen, dass der Körper nicht in der Lage ist, die energiereichen Wundheilungsvorgänge aufrechtzuerhalten, zum anderen ist das Immunsystem beeinträchtigt, welches für die Steuerung der Wundheilungsprozesse wichtig ist.

Erst wenn sich der Allgemeinzustand verbessert, was unter Umständen nicht mehr möglich ist (je nach Erkrankung), verbessert sich auch die Wundheilung und die daraus resultierende Wundsituation wieder.

Alter

Im Alter nehmen bei jedem Menschen sowohl die Zellteilungsrate als auch die Regenerationsfähigkeit ab, sodass ich die Wundheilung verzögert. Dazu kommt, dass die Hautelastizität und die Kollagenerneuerung reduziert sind, was die Wundheilung ebenso negativ beeinflusst. Zum einen während der Granulationsphase, aber auch während der Epithelisierungsphase.

Zudem ist davon auszugehen, dass bei den meisten alten Menschen eine Multimorbidität besteht, d. h. in der Regel liegen mehrere unterschiedliche Erkrankungen gleichzeitig, wie z. B. Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Durchblutungsstörungen. Aber auch die altersbedingten Veränderungen des Immunsystems, des Atmungssystems, des Ernährungszustandes, des Flüssigkeitshaushaltes und des Hormonhaushaltes, nehmen Einfluss auf die Wundheilungsvorgänge.

Körperliches Alter Wundalter Seneszenz
  • Schlechtere Regenerationsfähigkeit
    • Körper insgesamt
    • Gewebe
  • Multimorbidität (in der Regel mit Polymedikation)
  • Verlangsamung/Reduzierung der Zellteilungsrate
  • Verringerung des Kollagenaufbaus und der Kollagenstabilität
  • Verringerung der Hautdichte, schlechter ernährte Haut
  • Verschlechterung der Nährstoffresorption
  • Verschlechterung der Epithelisierung
  • Schlechterer Immunstatus
  • Je älter eine Wunde ist, desto länger braucht sie in der Abheilung.
  • Rezidive heilen schlechter als Erstwunden, da Narbengewebe aus "einfachem" Bindegewebe besteht.
  • Überalterung von Zellen.
  • Es findet keine Zellteilung (Mitose) mehr statt.
  • Insbesondere bei seneszenten Fibroblasten Verzögerung oder Stagnation der Wundheilung.

Wundalter

Beim Wundalter spricht man vom Zeitraum von der Entstehung bis zum aktuellen Zustand.

Je älter eine Wunde ist, desto länger benötigt sie in der Regel für die Abheilung. Das heißt, bei der Therapie einer älteren Wunde, ist man bestrebt, die physiologische Wundheilung wieder in geregelte Bahnen zu führen, die sie aufgrund ihrer Chronifizierung verlassen hat.

Zellalter

Häufig finden sich in chronischen Wunden sog. senezente Zellpopulationen. Darunter versteht man die Überalterung von Zellen, die sich aufgrund dessen nicht mehr teilen und auch ihre Arbeit nicht mehr verrichten. Insbesondere die Seneszenz von Fibroblasten, denjenigen Zellen, die für die Kollagenbildung zuständig sind, kommt es zu einer Verzögerung oder gar Stagnation der Wundheilung.

Mögliche Gründe für eine Seneszenz sind beispielsweise Malnutrition und der daraus resultierende Eiweißmangel, oxidativer Stress, chronische Entzündungsprozesse.

Austrocknung

Zellen sind bei trockenen Wundverhältnissen nicht beweglich!

  = Migration ist vermindert/verhindert.

  = alle Vorgänge sind verzögert.

Blutzucker

Betroffene mit einem Diabetes mellitus leiden häufig an Wundheilungsstörungen und auch Wundinfektionen, was daran liegt, dass diese Patientengruppe aufgrund ihrer Erkrankung zu den immuninkompetenten Patienten gehört. Dies liegt daran, dass ein länger bestehender Diabetes mellitus zu einer Unterdrückung des Immunsystems führt, die eine Verschlechterung der Wundheilungsvorgänge und ein erhöhtes Infektionsrisiko zur Folge hat.

Zudem kommt es bei stetig erhöhten Blutzuckerwerten zu Ablagerung in den Gefäßen der Wunde, was zu einer schlechteren Durchblutung im Wundgebiet führt, wodurch die Heilungsvorgänge zusätzlich verzögert werden.

Chemotherapie/Bestrahlung

Therapien, wie Chemotherapie und/oder Bestrahlung, greifen massiv in den Zellstoffwechsel ein. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Therapie kurativ oder palliativ durchgeführt wird. Insbesondere sich schnell teilende Zellen, zu denen auch die in der Wunde gehören, leiden darunter. Im Zusammenspiel zwischen Chemotherapie und/oder Bestrahlung, wird es immer aufgrund dieser Wirkung zur Verschlechterung der Wundheilung kommen. Zudem wird das Immunsystem durch diese Therapien in Mitleidenschaft gezogen. Das Immunsystem ist jedoch maßgeblich an der Steuerung der Wundheilungsvorgänge beteiligt, sodass es auch aus diesem Grund zur Verschlechterung der Wundverhältnisse bzw. zur Verzögerung bis hin zum Stillstand der Wundheilung kommt.

Compliance/Adhärenz

Die Mitarbeit des Betroffenen ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Wundtherapie. Ohne diese kann keine erfolgreiche Therapie stattfinden, insbesondere wenn es um Kausaltherapien (wie beispielsweise Kompressionstherapie bei der Behandlung eines Ulcus cruris venosum, Druckentlastung beim Dekubitus oder diabetischen Fußulcus) oder um eine Rezidivprophylaxe zur Vermeidung einer neuen Wunde geht.

Deshalb nimmt die Patientenedukation, mit seinen Teilen Beratung, Schulung und Anleitung, einen wichtigen Part in der Wundversorgung ein. Ein Betroffener, der sowohl versteht, wie seine Wunde entstanden ist, als auch den Grund für seine Therapie kennt, kann zum Behandlungserfolg betragen.

Druck

Lokal auf die Wunde ausgeübter Druck, wirkt sich negativ auf die Wundheilung aus. Wie schädigenden die Einwirkung von Druck ist, zeigt sich daran, dass dieser selbst Auslöser für Wunden (Dekubitus, diabetisches Fußulcus) ist.

Wird Druck nicht von einer Wunde genommen, kann es nicht zur Abheilung der Wunde kommen, da das Gewebe immer wieder in Mitleidenschaft gezogen wird. Druckbedingt kann es auch zur Verschlechterung der Wundverhältnisse kommen und sich die Wunde dadurch vergrößern.

Durch die Veränderung der Position lassen sich Folgeschäden durch Druck vermeiden.

Durchblutung

Die Wundheilung ist von einem regulären Sauerstofftransport abhängig. (Hunt et al. 2004) Zu den wichtigsten Faktoren gehören hierbei:

  • Hämoglobin
  • Arterielle Durchblutung
  • Venöser Rückfluss
  • Kreislaufaktivität

Eine gute Durchblutung ist für die Wundheilung unerlässlich. Dies gilt sowohl für arterielle wie auch venöse Durchblutungsverhältnisse. Störungen der Blutversorgung, führen zu Wundheilungsverzögerungen.

Bei einer schlechten arteriellen Durchblutung wird das Wundgebiet nicht ausreichend mit den Sauerstoff und den nötigen Nährstoffen für die Wundheilung versorgt. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für eine Wundinfektion, da durch die mangelhafte Durchblutung auch keine Abwehrzellen in ausreichender Zahl im Wundgebiet vorhanden sind.

Bei einer venösen Rückflussstörungen, die nicht durch eine adäquate Kausaltherapie behoben wird, kommt es zu keiner Abheilung der Wunde, da die Ursache weiter bestehen bleibt.

Ernährung/Flüssigkeitshaushalt

Wundheilungsvorgänge sind solche, die sowohl viel Energie als auch Nährstoffe erfordern. Insbesondere Eiweiß ist ein wichtiger Baustein für die Wundheilung. Deshalb ist es wichtig, einen Ernährungsstatus zu erheben und Defizite, im Rahmen der Möglichkeiten, auszugleichen. Neben Eiweiß sind bestimmte Vitamine und Spurenelemente für die Vorgänge in der Wunde notwendig.

Die Folgen einer Malnutrition für die Wundheilung sind:

  • Stagnation der Wundheilung durch Malnutrition
  • Vermehrt Wundheilungsstörungen, wie Eiterungen und Dehiszenzen
  • Schlecht beherrschbare Wundinfektionen
  • Reduktion der Fibroblastenbildung
  • Mangelnde Kollagenstabilität → Gewebebrüchigkeit ↑
  • Mangelhafte Neoangiogenese
  • Schlechter Wundverschluss → Epithelisierung ↓, Narbenbildung ↓
  • Verringerte Bildung von Wachstumsfaktoren und sonstiger für die Wundheilung wichtiger Zellen
Nährstoffe und Funktion in der Wundheilung
Nährstoff Wichtig in der Wundheilung für:
Vitamin A
  • Synthese von Glykoproteinen und Proteoglykanen
  • Kollagensynthese und Kollagenstabilität
  • Stimulation für den Beginn der Wundheilung
  • Fördert Fibroblasteneinbau in das Kollagengewebe
  • Epithelisation/Narbenbildung
  • Infektionsschutz
  • Antioxidation
  • Unterstützung des Immunsystems
  • Wichtig für die Verstoffwechselung von Eiweiß
Vitamin C (Ascorbinsäure)
  • Kollagenbildung, erforderlich für Kollagensynthese zum Aufbau und Erhalt von Haut, Bindegewebe, Knochen
  • Gute Kapillarentwicklung
  • Narbenbildung
  • Infektionsschutz (fördert die Produktion von Antikörpern und Interferon sowie Lymphozytenfunktion)
  • Antioxidation
Vitamin E (Tocopherole)
  • Zellschutz durch antioxidative Wirkung
  • Durchblutungsfördernd → Hypoxieschutz für das Wundgebiet
  • Stimuliert zusammen mit Selen die Antikörpersynthese
Vitamin K (Phyllochinon)
  • Blutgerinnung
  • Blutstillung
  • Infektionsschutz
Vitamin B5 (Panthotensäure)
  • Energiegewinnung
  • Beschleunigt die Abheilung geschädigter Schleimhaut
  • Fördert Epithelisation
Vitamin B6 (Pyridoxin)
  • Zellteilung
  • Zellwachstum
  • Proteinsynthese (Aktivierung)
  • DNS-Bildung
  • Unterstützung des Immunsystems
  • Notwendig für die Synthese von Hämoglobin und für Zellteilung
Vitamin B7 (Biotin)
  • Wichtig für gesunde Haut.
  • Spielt eine Rollte beim Fett- und Eiweißstoffwechsel, bei der Umsetzung der im Erbgut enthaltenen Informationen.
Vitamin B12 (Cobalamin)
  • Zellteilung
  • DNS-Bildung
  • Koenzym für Protein- und DNA-Synthese
Folsäure (Vitamin B9)
  • Bildung der Nukleinsäuren DNS und RNS
  • Zellneubildung
  • Bedeutsam für alle Wachstumsprozesse, bei denen Zellteilungen stattfinden.
Zink (Zn)
  • In mehr als 70 Enzymen enthalten
  • Bildung von Granulationsgewebe
  • Proteinsynthese
  • Proliferation von Fibroblasten
  • Infektionsschutz
  • Antioxidation
  • Spielt eine wesentliche Rolle in der zellulären Abwehr (Lymphozyten)
  • Wichtig für die Regulierung des Blutzuckerspiegels
Eisen (Fe)
  • Kollagenvernetzung
  • Sauerstoffversorgung
  • Sauerstofftransport
  • Immunstabilität
Kupfer (Cu)
  • Kollagenvernetzung
  • Kollagenstabilität
  • Unterstützung der Immunabwehr
  • Kofaktor für die Bildung von Bindegewebe
  • Unentbehrlich für Energiegewinnung der Zellen mit Sauerstoff (sog. Zellatmung)
  • Wichtig für Sauerstoffverwertung
  • Bestandteil vieler wichtiger Enzyme im Eiweißstoffwechsel
Selen (Se)
  • Schutzstoff für neues Gewebe
  • Infektionsschutz
  • Verbesserte Entzündungsaktivität (Immunantwort)
  • Antioxidation
Silizium (Si)
  • Zellerneuerung
  • Infektionsschutz
  • Stabilität/Elastizität von Bindegewebe
Calcium (Ca)
  • Kofaktor von Kollagenasen (Enzyme)
  • Kollagenstoffwechsel
Magnesium (Mg)
  • Synthese von Kollagen und Grundsubstanz
  • Zellregeneration
  • Sauerstoffnutzung/-versorgung
  • Energiegewinnung
Proteine
  • Proteinsynthese
  • Zellproliferation
  • Infektionsbekämpfung (→ Abwehrzellen, Immunglobuline)
  • Bildung von Granulationsgewebe und Bindegewebe
Fette
  • Energielieferant für Wundheilungsvorgänge
  • Bestandteil von Zellmembranen
  • Bildung von Prostaglandinen
  • Entzündungshemmung
Kohlenhydrate
  • Energielieferant zur Aufrechterhaltung des Wundstoffwechsels
  • Bestandteil von Glykoproteinen
  • Beteiligt am Aufbau von Knochen, Knorpel, Bindegewebe

Ernährungszustand

Nicht nur kachektische sondern auch adipöse Menschen, können unter einer Malnutrition leiden. Deshalb ist es wichtig, einen Ernährungsstatus (z. B. Bedarfsberechnung, Blutuntersuchung) zu erheben und entsprechend zu handeln.

Kachexie Adipositas
  • Nährstoffmangel, insbesondere an Eiweiß
  • Vorhandensein von seneszenten Zellpopulationen, da keine neuen Zellen aufgrund des Eiweißmangels gebildet werden können
  • Schlechter Immunstatus
  • Schlechte Epithelisierung
  • Schlechte Narbenbildung
  • Reduzierte Gewebedurchblutung von adipösem Gewebe
  • erhöhte Spannung auf die Naht durch das Gewicht des vermehrten Körperfettes
  • Extreme Hautfalten = „feuchte Kammer“
  • Werden mit medizinischen Konditionen wie Typ 2 Diabetes assoziiert.
  • Ein adipöser/batriatischer Patient hat ein höheres Risiko für Dehiszenzen und Eviszeration (Exenteration), durch häufig einen ernsten Mangel an essentiellen Mineralien + Vitaminen, die für eine gute Wundheilung nötig sind.

Nährstoffzufuhr

Um den Bedarf an Nährstoffen für die Wundheilung zu decken, ist in der Regel eine erhöhte Zufuhr nötig, insbesondere an Eiweiß, dem wichtigsten Baustein für den Körper. Der Ausgleich muss natürlich unter Berücksichtigung sonstiger Ko-Morbiditäten erfolgen.

Gegebenenfalls muss die Nährstoffzufuhr durch Supplemente, Trink- oder Sondennahrung ausgeglichen werden.

Aufnahme bzw. Angebot ist abhängig von:

  • Appetit
  • Fähigkeit zur Nährstoffaufnahme
  • Resorptionsfähigkeit

Flüssigkeitshaushalt

Flüssigkeit ist bei der Zellneubildung, bei der Zellbewegung und für die Lebensfähigkeit von Zellen unerlässlich.

Da es, insbesondere bei großen Wunden, zu größeren Flüssigkeitsverlusten kommt, muss entsprechend Flüssigkeit zugeführt werden, um die Verluste auszugleichen. Dabei ist auf eventuelle Flüssigkeitsrestriktionen (z. B. bei Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz, Leberinsuffizienz) zu achten.

Bei großen Wunden kann es in der Exsudationsphase zu hohen Flüssigkeitsverlusten (bis 1,5 Liter) kommen, die ausgeglichen werden müssen.

Erhöhte Proteasenaktivität (EPA)

Proteasen sind Enzyme, die Proteine abbauen, indem sie diese in zwei oder mehr Teile aufspalten und somit deren Struktur verändern. Im Heilungsverlauf einer normalen Wunde, haben sie die Aufgabe, den Körper beim Abbau von Proteinen in der Wunde zu unterstützen, z. B. bei der Beseitigung von geschädigtem Gewebe, das bei der Wundentstehung verursacht wurde.

In der physiologischen Wundheilung sorgen Proteasen also dafür, dass Eiweiß von geschädigtem Gewebe abgebaut wird.Nach Entstehung einer Wunde steigt die Proteasen-Aktivität schnell an und nehmen ab dem 5. Tag wieder ab.

Bei chronischen Wunden kommt es vor, dass die Proteasenanzahl und deren Aktivität über das normale Maß hinaus anhält und höhere Werte erreicht. Diese EPA kann zu einer ungezielten Zerstörung von Proteinen führen, die wichtig für die Wundheilung sind, z. B. Wachstumsfaktoren, Rezeptoren usw. Diese anhaltende schädigende Wirkung der Proteasen kann die Entzündungsreaktion und die Freisetzung von schädlichen Sauerstoffspezies weiter stimulieren.

Durch die erhöhte Proteasenaktivität tritt in die Wunde in einen Teufelskreis (Cullen-Kreis) ein, was zu einer Verzögerung oder einem Stillstand der Wundheilung führt.

Gewebeoxygenierung

Alles, was die volle Sauerstoffversorgung beeinträchtigt, beeinträchtigt die Wundheilung:

  • Verminderter Gasaustausch (z. B. in der Lunge durch vorbestehende Lungenschäden) = verringerter Sauerstoffgehalt im Blut,
  • Zu niedrige Hämoglobinwerte = inadäquaten Sauerstofftransport,
  • Niedriger Blutdruck kann oxigeniertes Blut nicht durch die Kapillaren bringen,
  • Insuffiziente arterielle und kapillare Versorgung im Wundgebiet.

Jedes dieser Probleme, sowohl einzeln wie auch in Kombination, enthält der Wunde den Sauerstoff  für eine erfolgreiche Heilung vor!

Grunderkrankung

Der Einfluss auf die Wundheilung ist abhängig davon, welche Grunderkrankung vorliegt und wie physiologische Vorgänge im Körper gestört sind.

Grunderkrankung = Verursacher eines Wundtyps.

Hemmender Einfluss durch, z. B.:

  •   Tumore
  •   Autoimmunkrankheiten
  •   Infektionen
  •   Bindegewebserkrankungen (z.B. rheumatischer  Formenkreis)
  •   Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus)
  •   Gefäßerkrankungen (z.B. pAVK, CVI)
  •   Genetische Erkrankungen (z.B. Klinefelder Syndrom)

Haustiere

Haustiere stellen oftmals die einzigen Sozialkontakte für den Betroffenen dar und sorgen für Stabilität. Solange hygienische Richtlinien eingehalten werden, müssen Tiere nicht abgegeben werden.

Hygienische Vorgaben sind:

  • Während des Verbandswechsels darf sich das Tier nicht im selben Zimmer aufhalten.
  • Verbandstoffe müssen unzugänglich aufbewahrt werden (z. B. Plastikbox mit Deckel, in einem Schrank, in einer Schublade).
  • Reinigung (Wischdesinfektion) der Ablageflächen vor dem Verbandswechsel
  • Regelmäßige Reinigung der Liegeplätze/der Käfige
  • Tiere dürfen nicht in den Wunden lecken / mit der Wunde in Kontakt kommen
  • Tiere, die nach draußen dürfen, müssen regelmäßig entwurmt werden und frei von Ektoparasiten sein.

Hautzustand

Eine möglichst intakte Haut, ist eine wichtige Voraussetzung für eine gute Epithelisation und Narbenbildung.

Schlecht gepflegte Haut trägt zur schnelleren Entstehung bzw. Vergrößerung einer Wunde bei, ebenso wie Allergien oder Hauterkrankungen vorgeschädigter Haut. Deshalb ist eine gute Hautbeobachtung und eine angepasste Pflege sehr wichtig.

Immunstatus

In der Wundheilung spielen Vorgänge des Immunsystems eine wichtige Rolle. Bestehen hier Defekte oder Beeinträchtigungen (angeboren oder erworben) sowie alters-, therapie- oder krankheitsbedingte Schwächung, führen diese zu einer Infektanfälligkeit, einer mangelhaften Immunantwort auf eingedrungene Keime, schlecht beherrschbaren Wundinfekten und zu einer Verschlechterung der Abheilung der Wunde.

Jede Krankheit oder Medikation, die das Immunsystem unterdrückt oder in Mitleidenschaft zieht, kann die Wundheilung zum Stillstand bringen.

Infektion

Nicht nur lokale, sondern auch systemische Infektionen führen zu Veränderungen der Wundheilungsvorgänge, die in der Regel bei manifesten Infektionen stagnieren.

Erhöhte Keimlast

Bei einer erhöhten Keimlast, kommt es noch zu keiner Ausbildung von Infektionszeichen, allerdings kann die Wundheilung verzögert oder gar zum Erliegen gekommen sein. Dies liegt daran, dass die Anzahl der Keime in der Wunde, den Körper dazu veranlassen, sich auf eine mögliche Infektion zu konzentrieren. Die Ressourcen des Immunsystems sind sozusagen für die potentielle Gefahr einer Wundinfektion gebunden, sodass die Wundheilung im Bezug auf das Immunsystem an die zweite Stelle rückt.

Systemisch

Alle systemischen Infektionen, wie z. B. Atemwegsinfekte, Harnwegsinfektionen usw. beeinflussen die Wundheilung negativ und kann zur Stagnation oder gar zur Verschlechterung der Wundverhältnisse führen, da der Körper mit der Bekämpfung der Infektion beschäftigt ist.

Lokal

Lokale Wundinfektionen behindern die Wundheilung, aufgrund der Bindung des Immunsystems für die Infektbekämpfung.

Maligne Erkrankung/Terminalphase

Bei einer vorliegenden potentiell tödlichen Erkrankung, verschlechtert sich eine Wundheilung, da es bei Fortschreiten zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes kommt. Dieser wiederum beeinträchtigt das Immunsystem.

Terminalphase

  • Keine Wundheilung mehr möglich.
  • Keine ausreichende Gewebedurchblutung mehr.
  • In der Regel deutliche Verschlechterung der Wundsituation kurz vor dem Tod.
  • Mögliches Auftreten von Kennedy Terminal Ulcers in der Finalphase.

Manipulation

Jede Manipulation in der Wunde birgt das Risiko von:

  • Gewebeverletzungen
  • Einschleppung von Keimen
  • Auskühlung / Austrocknung der Wunde

Medikamente

Verschiedene Medikamente (z. B. Cortison, gerinnungshemmende Medikamente, Zytostatika, Immunsuppressiva) wirken sich negativ auf die Wundheilung aus; entsprechend ihrer Wirkung im Körper, insbesondere die Bildung von Granulationsgewebe und Narben beeinflusst. Maßgebend sind Dosis, Zeitpunkt der Gabe und die Therapiedauer.

Mobilität/Bewegung

Zum einen fördert Bewegung Mobilität und die Durchblutung im Gewebe, wodurch es zu einer Verbesserung der Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr kommt.

Gleichzeitig wirkt sich eine Überbelastung durch Bewegung für Wunden negativ aus.

Mobilität fördert:

  • Muskeltonus ↑
  • Durchblutung des Gewebes ↑
  • Zellteilungsrate ↑
  • Abtransport von Stoffwechselprodukten↑
  • Förderung der Kollateralbildung

Psyche

Eine erfolgreiche Wundbehandlung erfordert ein hohes Maß an Patientenkooperation. Psychische Erkrankungen, Sucherkrankungen und Suchtverhalten sowie Selbstschädigungstendenzen setzen die Kooperation in hohem Maße herab, sodass eine adäquate Therapie oft nicht möglich ist.

Rauchen

Rauchen beeinträchtigt die Wundheilung auf verschiedene Weise. Die im Zigarettenrauch enthaltenen Giftstoffe (Hydrogencyanid, Kohlenmonoxid und Nikotin) haben teilweise zerstörerische Effekte auf die Wundheilungsvorgänge.

  • Hydrogencyanid (Blausäure, Cyanwasserstoff) hemmt den Sauerstofftransport.
  • Kohlenmonoxid bindet sich an Hämoglobin und verdrängt somit den Sauerstoff.
  • Nikotin ist ein sog. Vasokonstriktor, das heißt, es führt zu einer Gefäßverengung.

Schmerz

Schmerz ist eine der größten Stresssituationen für den Körper und führt zur Ausschüttung verschiedener körpereigener, stressbedingter Hormone, z. B. Cortisol und Adrenalin.

Übersicht: Folgen von Wundschmerz_S.Danzer

Cortisol ist sozusagen das körpereigene Cortison und wirkt sich dämpfend auf das Immunsystem aus.

Adrenalin ist ein Vasokonstriktor und führt zur Verengung von Blutgefäßen, sodass sich die Durchblutung im Wundgebiet verschlechtern kann.

Schmerz führt viele Betroffene in einen Teufelskreis aus physiologischen und psychologischen Folgen.

Wundtemperatur

In der Wunde muss eine bestimmte Temperatur gegeben sein, sodass die Heilungsvorgänge vonstatten gehen können. Liegt die Temperatur unter diesem Bereich, kommt es zur Unterbrechung der Wundheilungsvorgänge.

  • Bei Auskühlung kommt es zum Stillstand der Wundheilungsvorgänge für mehrere Stunden.
  • Zellaktivität verlangsamt sich, kommt schließlich zum Stillstand, da bei < 28°C weder Mitose noch Zellwanderung möglich sind.
  • Immunabwehr in der Wunde geschwächt.
Zellaktivität Temperatur
hoch 33 - 38°C
deutlich verringert < 33°C
Stillstand < 28°C

Re-Erwärmung ca. 1°C pro Stunde!

Zu beachten: Bei jedem Verbandswechsel kommt es zur Auskühlung der Wunde. Deshalb sollte jeder Verbandswechsel so kurz wie möglich gehalten werden.

Eine Überhitzung führt zur Denaturierung von Eiweißen = Zellschädigung (wie im Fall von Verbrennungen/Verbrühungen).

Zusammenfassung

Übersicht: Einflussfaktoren auf die Wundheilung
Lokale Faktoren Systemische & psychosoziale Faktoren
  • Schlechte Durchblutung
  • Erhöhte Hautspannung
  • Chirurgisch schlecht adaptierte Wundränder
  • Wunddehiszenz
  • Schlechter venöser Abfluss
  • Fremdkörper (-reaktionen)
  • Nekrose
  • Ödem
  • Exsudatstau
  • Austrocknung
  • Auskühlung
  • Dauernde Anwesenheit von Mikroorganismen
  • Infektion
  • Hypergranulation
  • Vorgeschädigtes Gewebe
  • Hypertrophes Gewebe
  • Exzessive Bewegung, z.B. über dem Gelenk
  • Mechanische Beanspruchung (z. B. durch Reiben des Verbandes, keine ausreichende Druckentlastung)
  • Scherkräfte
  • Wundrezidiv
  • Hohes Alter, allgemeine Immobilität
  • Schmerz
  • Verminderter Immunstatus
  • Arzneimittelwirkung (wie Immunsuppressiva, Kortikosteroide, Antikoagulantien), z. B. solche, die Entzündungsprozesse hemmen
  • Psychische Störungen/Erkrankungen
  • Instabile, problematische soziale Situation
  • Rauchen
  • Jede Art von Kreislaufschock
  • Angeborene Leukozytenfunktionsstörung
  • Gestörte Makrophagenaktivität (Malakoplakia)
  • Malnutrition, Mangel an Vitaminen und Spurenelementen
  • Unausgeglichener Flüssigkeitshaushalt
  • Maligne Tumorerkrankungen, Terminalstadium
  • Chemotherapie, Bestrahlungstherapie
  • Eingeschränkte Mobilität
  • Generalisierte Gefäßerkrankung, Veneninsuffizienz
  • Autoimmunerkrankungen und Vaskulitiden
  • Bakterielle Entzündung
  • Systemische Infektion

Literatur

  • Danzer, S. (2019): Wundbeurteilung und Wundbehandlung, 2. Auflage, W. Kohlhammer Verlag
  • Danzer, S. (2014): Chronische Wunden - Beurteilung und Behandlung, 4. Auflage, W. Kohlhammer Verlag