Wundinfektion

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Was ist Wundinfektion? Definition:

Wundinfektion

Auch oft gesucht: Wundinfektion



Definition

Unter einer Wundinfektion versteht man den Eintritt von Krankheitserregern in eine Wunde mit den charakteristischen Zeichen einer lokalen Infektion.

Entstehung

Die häufigste Ursache für Wundinfektionen ist die Besiedelung mit Bakterien. In seltenen Fällen auch Viren, Pilze oder Parasiten eine Wundinfektion auslösen.

Eine kontaminierte Wunde muss nicht zu einer Infektion führen. Ausschlaggebend dafür ist:

  • Art und Anzahl der Erreger.
  • Pathogenität des Erregers.
  • Immunstatus des Patienten:

Bakterielle Wundinfektionen

Die bakteriellen Wundinfektionen werden in 3 Arten unterschieden:
Pyogene Wundinfektion Putride Wundinfektion Anaerobe Wundinfektion
  • charakterisiert durch starke Eiterbildung.
  • meist durch Kokken bedingt
  • Fäulniserreger zersetzen Gewebe und bilden lokal faulig riechende Gase.
  • Klinisch zeigt sich das Bild einer feuchten Gangrän.
  • Durch Minderdurchblutung oder Nekrosen bedingter Sauerstoffmangel führt zu dieser Form der Infektion. Mischinfektionen unter aeroben Verhältnissen sind ebenfalls möglich.

Unter optimalen Bedingungen teilen sich Bakterien alle 15 - 20 Minuten.

Zeit Anzahl der Bakterien
20 min. 2
200 min. 1024
400 min. 1 048 576
600 min. 1 073 741 824
800 min. 1 099 511 627 776

Infektionszeichen

Übersicht: Klassische Infektionszeichen_S.Danzer

Die klassischen Entzündungszeichen Rötung, Schwellung, Schmerz, Überwärmung und Funktionseinschränkung, werden bei einer vorliegenden Infektion zu Infektionszeichen.

Lokale Infektionszeichen

  • Rötung
  • Örtliche Überwärmung
  • Ödematöse Wundränder / Wundumgebung
  • Lokaler Schmerz
  • Schmerzveränderung (z.B. Zunahme des Wundschmerzes, Veränderung der Schmerzqualität)
  • Vermehrte Bewegungseinschränkung
  • Große Mengen Exsudat
  • Farbveränderungen des Exsudats
  • Eiter
  • Veränderung des Granulationsgewebes
  • Hypergranulation
  • Fragiles Gewebe
  • Geruchsveränderung (je nach Erregertyp)
  • Vermehrte Nekrosebildung
  • Wundaufbruch
  • Epithelbrücken
  • Schwellung lokaler Lymphknoten

Systemische Infektionszeichen

Infektionszeichen bei Wundtaschen

Infektionsausbreitung


Übersicht: Infektionsausbreitung allgemein_S.Danzer
Cellulitis bei Wundinfektion_S.Danzer


Die Ausbreitung einer Wundinfektion, lässt sich anhand einer bestehenden Cellulitis (Zellentzündung) messen.

Bei einer Cellulitis < 2 cm und lokal begrenzten Infektionszeichen, liegt eine leichte Infektion vor.

Bei einer Cellulitis > 2 cm und lokal begrenzte Infektionszeichen, die sich in die Wundumgebung ausbreiten, liegt eine mittlere Infektion vor.

Von einer schweren Infektion spricht man, wenn sich die lokalen Infektionszeichen sich weiter ausbreiten und sich systemische Infektionszeichen zeigen.


Keimdiagnostik

Erregernachweis Wunde_S.Danzer

Um Wundinfektionen gezielt behandeln zu können, in Hinblick auf den Einsatz von spezifischen Antibiotika, sollte eine Erregerdiagnostik durchgeführt werden.

Wundabstriche sollten am besten nach dem Essener Kreisel erfolgen. Hierbei wird ein Abstrichträger unter leichtem Druck spiralförmig von außen nach innen abrollend über die gesamte Wundfläche geführt. Dabei werden die Wundränder ausgespart.

Erregernachweis

Erfolgt nach der ABCDE-Regel der ICW (Initiative chronische Wunden).

Abstrichabnahme

Wundabstriche werden (nach evtl. Abwischen der Wunde mit sterilen Kompressen oder Spülung mit sterilen, nicht antiseptischen Lösungen von innen nach außen) vom Wundgrund gewonnen.

Bei dehiszenten Wunden erfolgt der Abstrich nach Spülung aus der Tiefe.

Größere Wunden möglichst großflächig und kreisförmig oder in Schlangenlinien abstreichen, um die gesamte Wundfläche zu erfassen.

  • Bakteriologischer Abstrich OHNE vorherige Wundsäuberung: Erfolgt als Nachweis oder zum Ausschluss multiresistenter Erreger (Screening).
  • Bakteriologischer Abstrich MIT vorheriger Wundsäuberung: Wird durchgeführt zum Auffinden ursächlicher Erreger bei einer klinisch relevanten Wundinfektionen oder bei der Besiedelung/Infektion mit Hefepilzen.

Biopsie

Eine Biopsie für eine Erregerdiagnostik bei Wunden, wird in folgenden Fällen durchgeführt:

  • Bei Wundinfektionen bei tieferen Wunden und beim diabetischen Fußulcus
  • Bei vermuteten Erreger, wie Mykobakterien, Leishmanien, Aktinozeten, Nocardien, Schimmelpilze
  • Bei einer vorliegenden Wundinfektion ohne Erregernachweis im Abstrich

Wichtig

Bei bestimmten vorbestehenden Erkrankungen, wie z. B. Diabetes mellitus, periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder im Alter, können sich Infektionszeichen abschwächen und werden deshalb ob nicht als solche wahrgenommen.

Übersicht: abgeschwächte Infektionszeichen_S.Danzer

Abgeschwächte bzw. fehlende Infektionszeichen können vorliegen bei:

  • Arterieller Verschlusskrankheit
    • Bei einer pAVK reicht die Durchblutung nicht aus, um entsprechende Infektionszeichen auszubilden. Das heißt:
      • Rötung ist stark abgeschwächt oder fehlt
      • Schwellung ist stark abgeschwächt oder fehlt
      • Überwärmung kaum vorhanden oder fehlt
      • In der Regel sehr wenig bis keine Exsudation
    • Stattdessen kommt es häufig zur Veränderung der Schmerzqualität und zur Zunahme der Schmerzstärke.
  • Neuropathie
    • Bei einer sensorischen Neuropathie, wie sie häufig beim Diabetes mellitus zu finden ist. Die Schmerzwahrnehmung ist hierbei kaum vorhanden oder fehlt, auch im Bezug auf Schmerzveränderungen bei einer Infektion.
    • Stattdessen kommt es bei einem Betroffenen mit Diabetes mellitus sehr häufig als erstes Infektionszeichen zur Entgleisung der Blutzuckerwerte.
  • Hohes Alter
    • Aufgrund des hohen Alters kommt es zu einer Immuninkompetenz der Betroffenen. Dies wiederum verursacht, dass Infektionszeichen nur schwach oder gar nicht auftreten.
    • Stattdessen kommt es zu einer raschen Verschlechterung des Allgemeinzustandes, zu zunehmender Verwirrtheit bis hin zum Delir.

Literatur

  • Danzer, S. (2019): Wundbeurteilung und Wundbehandlung, 2. Auflage, W. Kohlhammer Verlag