Wundversorgung

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Was ist Wundversorgung? Definition:

Die Wundversorgung ist die Behandlung sowohl akuter als auch chronischer Wunden, mit dem Ziel, die Abheilung zu unterstützen.

Auch oft gesucht: Wundversorgung, Wundbehandlung, Wundtherapie



Definition

Die Wundversorgung ist die Behandlung sowohl akuter als auch chronischer Wunden, mit dem Ziel, die Abheilung zu unterstützen.

Unterteilung

Versorgung von Akutwunden

Bei der Versorgung akuter Wunden steht die Blutstillung an erster Stelle, als unmittelbare Reaktion auf die Verletzung. Anschließend erfolgt die Weiterversorgung, um die Abheilung zu unterstützen und Komplikationen zu vermeiden.

Versorgung chronischer Wunden

Die Versorgung chronischer Wunden gestaltet sich deutlich schwieriger als die akuter Wunden.

Bei einer chronischen Wunde ist die Abheilung gestört. Die Störfaktoren können unterschiedlicher Natur sein, angefangen über z. B. das Alter des Betroffenen, die Durchblutungssituation, vorbestehende Erkrankungen, Infektionen, Malnutrition usw.

Im Bereich der Versorgung chronischer Wunden unterscheidet man die kurative und palliative Wundversorgung.

Kurative Wundversorung

Bei der kurativen Wundversorgung werden alle Kausaltherapien (Ursachenbehandlung) und lokalen Wundversorgungsmöglichkeiten ausgeschöpft, mit dem Ziel der Abheilung, sofern diese möglich ist.

Palliative Wundversorgung

Wundversorgung kurativ_palliativ_S. Danzer

Bei der palliativen Wundversorgung liegt die Zielausrichtung nicht mehr bei der Abheilung der Wunde, sondern der Fokus richtet sich auf die Verbesserung bzw. den Erhalt der Lebensqualität durch Symptomkontrolle und Symptomlinderung durch Symptommanagement.

Allgemeine Grundsätze

  • Bei der Wundversorgung sollte darauf geachtet werden, dass bei jedem Verbandswechsel die Wundtemperatur stark absinkt. Bei Temperaturen unter 28°C in der Wunde, ist keine Wundheilung mehr möglich, aufgrund der fehlenden Zellaktivität. Deshalb sollte jeder Verbandswechsel so zügig wie möglich durchgeführt werden.
  • Um der Wunde möglichst ausreichend Wundruhe zu gewähren, sollten nur so viele Verbandswechsel wie nötig durchgeführt werden. Das heißt, je weiter die Wundheilung voranschreitet, desto weniger Verbandswechsel sind nötig und desto mehr verlängern sich die Verbandswechselintervalle.
  • Bei der Auswahl der entsprechenden Wundauflage, sollte nach folgenden Kriterien vorgegangen werden:
    • Wundtyp
    • Wundheilungsphase
    • Exsudationsmenge
    • Größe und Tiefe der Wunde
    • Vorliegende Wundinfektion
    • Vorhandene Allergien auf Verbandstoffe
    • Wundränder
    • Wundumgebungshaut / Hautsituation
    • Berücksichtigung vorhandener Strukturen, wie Knochen, Gelenke, Sehnen, Bänder
    • Wundlokalisation
    • Schmerzen
    • Geruchsbindung
    • Kosten / Nutzen
    • Verwendbarkeit auf Grundlage des Medizinproduktegesetzes (MPG)
  • Kriterien zur Umstellung einer lokalen Wundtherapie:
    • Beginnende bzw. manifeste Wundinfektion liegt vor
    • Unzureichendes Exsudatmanagement
    • Fortschreitende Wundheilung mit Veränderung der Wundheilungsphase
    • Allergie auf Verbandstoff
    • Stagnierende Wundheilung
    • Verschlechterung des Wundzustandes
    • Schmerzen

Lokale Wundtherapie

Die lokale Wundtherapie umfasst alle Maßnahmen, die an der Wunde oder im unmittelbaren Umfeld durchgeführt wird.

Dazu gehören die Wundreinigung, Wundversorgungsprodukte wie Wundauflagen sowie lokale Maßnahmen zur Unterstützung der Wundheilung.

Wichtig dabei ist zu beachten, dass nur 10% durch geeignete Wundauflagen erreicht werden kann, sodass immer der Kausaltherapie (also die Behandlung der Entstehungsursache) eine große Bedeutung zukommt. Zum Beispiel wird ein Ulcus cruris venosum, als Symptom einer chronisch venösen Insuffizienz, nicht abheilen, wenn keine Ursachentherapie im Sinne der Wiederherstellung bzw. der Verbesserung des venösen Rückflusses erfolgt. Ein Dekubitus wird nicht abheilen, solange die Wunde nicht druckentlastet wird, da hier die Ursache für die Wundentstehung eine lokale Drucküberbelastung, ggf. in Kombination mit Scherkräften sein, ist.


Heutzutage folgt man dem Prinzip der hydroaktiven Wundbehandlung. Hydroaktiv bedeutet in diesem Fall, dass Wundauflagen verwendet, die ein sog. ideal-feuchtes Milieu in der Wunde erzeugen, in dem sich Zellen problemlos fortbewegen und teilen können.

Trockene Wundversorgung

Darunter versteht man die Heilung an der Luft, Heilung mit Pflaster oder trockenem Verband.

Da kein ideal-feuchtes Milieu besteht, ergeben sich folgende Probleme:

  • Krustenbildung, als Hindernis für neugebildete Zellen (insbesondere einwandernde Epithelzellen)
  • Natürliche Stoffwechselprozesse werden behindert
  • Dehydrierter Wundgrund
  • Verzögerte Wundheilung
  • Erhöhtes Risiko für mehr Narbengewebe
  • Erhöhtes Risiko für Infektionen, da sich auch wichtige Immunabwehrzellen nicht in Trockenheit fortbewegen können.

Feuchte Wundbehandlung

auch hydroaktive Wundbehandlung

Hierbei werden Wundauflagen benutzt, die ein physiologisches Wundklima erzeugen, in dem Zellen aktiv sein können. Das heißt, die Wunde verfügt über ausreichend Feuchtigkeit und kühlt nicht aus.

  • Keine Kruste, kein Spannungsschmerz
  • Optimales Mikroklima
  • Schnellere Bildung von neuen Gewebezellen
  • Neue Gewebezellen erreichen ohne Hindernis die geschädigten Stellen
  • Förderung der natürlichen Wundheilung (verbesserter Nährstoff-Transport, verbesserte Freisetzung von Wachstumsfaktoren und Botenstoffen)
  • Schnelle Wundheilung
  • Reduziertes Narben-Risiko, d. h. es wird weniger Narbengewebe ausgebildet.
  • Reduziertes Infektionsrisiko

Die Schaffung des ideales Klimas in der Wunde ist nur möglich, wenn bei der Auswahl der Wundauflagen die oben genannten Kriterien berücksichtigt werden.

Literatur

  • Danzer, S. (2019): Wundbeurteilung und Wundbehandlung, 2. Auflage, W. Kohlhammer Verlag